Mikrobiom bei Frühgeborenen: PD Dr. Mats Ingmar Fortmann erhält Johannes-Wenner-Forschungspreis
Für seine zukunftsweisende Forschung zur Rolle des Mikrobioms, die Gesamtheit aller Mikroorganismen im und auf dem menschlichen Körper, erhält PD Dr. Mats Ingmar Fortmann vom Universitätsklinikum Lübeck den Johannes-Wenner-Forschungspreis 2026 der Deutschen Lungenstiftung (DLS) und der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP). Vor dem Hintergrund, dass etwa die Hälfte der extrem frühgeborenen Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1.000 Gramm chronische Lungenerkrankungen entwickelt, untersuchte der Kinderarzt mit seinem Team frühe Einflussfaktoren und Biomarker, um betroffene Kinder möglichst früh unterstützen zu können. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wurde am Freitagnachmittag im Rahmen der GPP-Jahrestagung in Berlin verliehen.
„Der Preisträger verbindet klinische Forschung mit modernster Mikrobiom-Analyse und verfolgt einen langfristigen Ansatz, der neue Perspektiven für die Prävention chronischer Lungenerkrankungen eröffnet“, betont GPP-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Angela Zacharasiewicz in ihrer Laudatio. „Damit leistet Dr. Mats Fortmann einen herausragenden Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von Frühgeborenen.“
Forschende begleiten Frühgeborene über mehrere Jahre hinweg
Bei der nun ausgezeichneten interdisziplinären IRoN-Studie („Immunoregulation of the Newborn“) werden die Frühgeborenen nach ihrer Entlassung mit drei, zwölf und 24 Monaten sowie mit sechs und elf Jahren wieder untersucht. Ziel ist es, Biomarker zu identifizieren, die auf ein erhöhtes Risiko für chronische Lungenerkrankungen hinweisen. „Frühgeborene haben ganz andere Voraussetzungen für die Entwicklung eines gesunden Mikrobioms als reif geborene Kinder“, erklärt Mats Ingmar Fortmann. „Sie kommen häufig per Kaiserschnitt zur Welt, erhalten öfter Antibiotika und verbringen ihre ersten Lebenswochen im Krankenhaus. All das kann beeinflussen, welche Mikroorganismen ihre Körper besiedeln.“
Diese Mikroorganismen spielen jedoch eine wichtige Rolle für die Reifung des Immunsystems und die Lungengesundheit der Kinder. Die Forschenden sammeln deshalb bei den jeweiligen Untersuchungen Proben von beispielsweise Stuhl, kleine Blutmengen oder Rachenabstriche und untersuchen gleichzeitig die Lungenfunktion der Kinder. „Unser Ziel ist es, das Zusammenspiel von Mikrobiom, Immunsystem und Lungenentwicklung besser zu verstehen“, sagt der Wissenschaftler. „Wenn wir früh erkennen, welche Kinder ein besonders hohes Risiko haben, können wir sie gezielter unterstützen.“
Ziel: Langfristig neue Präventions- und Behandlungsstrategien entwickeln
Denkbar seien beispielsweise gezieltere Therapien oder Maßnahmen zur Förderung eines gesunden Mikrobioms. „Viele Behandlungen können für Frühgeborene lebenswichtig sein, etwa Antibiotika“, so Fortmann. „Ein zurückhaltender und rationaler Einsatz von Antibiotika könnte wiederum dazu beitragen, das Mikrobiom zu schonen und die langfristige Entwicklung der Kinder zu schützen.“ Das Preisgeld soll unter anderem dazu genutzt werden, modernere Analyseverfahren für das Mikrobiom einzusetzen. Neue metagenomische Methoden erlauben dann nicht nur Aussagen darüber, welche Bakterien im Darm vorkommen, sondern auch, welche Funktionen sie erfüllen. „So können wir genauer untersuchen, wie Mikroorganismen mit dem Immunsystem interagieren und welche Mechanismen möglicherweise gestört sind“, erklärt der Preisträger.
„Jedes zehnte Kind kommt heute zu früh auf die Welt – wir müssen ihnen langfristig eine möglichst gute Gesundheit ermöglichen!“
Ingmar Fortmanns Motivation für diese besondere und beeindruckende Arbeit ist hoch: „Frühgeborene sind ein fester Teil unserer Gesellschaft, denn weltweit kommt heute jedes zehnte Kind zu früh auf die Welt. Durch den medizinischen Fortschritt überleben heute immer mehr sehr kleine Frühgeborene und deshalb ist es unsere Aufgabe, alles daranzusetzen, ihnen auch langfristig eine möglichst gute Gesundheit zu ermöglichen.“
„Wir begleiten diese Kinder nicht nur während ihres Aufenthalts auf der Intensivstation, sondern verfolgen ihre Entwicklung über Jahre hinweg. Das ist aufwendig, aber entscheidend, um langfristige Zusammenhänge zu verstehen“, fasst PD Dr. Mats Fortmann zusammen. Auch betont er, dass die ausgezeichnete IRoN-Studie nur in enger Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen verschiedener Fachrichtungen entstehen kann, darunter die Kinderpneumologin Dr. Isabell Ricklefs und die Mikrobiologen Prof. Dr. Jan Rupp und Dr. Sebastien Boutin vom Universitätsklinikum Lübeck sowie in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendmediziner Prof. Dr. Christoph Härtel vom Universitätsklinikum Würzburg und der Kinder- und Jugendärztin Dr. Julia Pagel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Über den Johannes-Wenner-Forschungspreis
Die Deutsche Lungenstiftung und die Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie loben gemeinsam den Johannes-Wenner-Forschungspreis in Höhe von 15.000 Euro aus. Ziel des Preises ist es, Forschungs- und Projektarbeiten von Mitgliedern der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie zu unterstützen, um die Versorgung und Behandlung von Kindern mit Lungenerkrankungen zu verbessern. Der Johannes-Wenner-Forschungspreis richtet sich vor allem an Ärztinnen und Ärzte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – Einzelpersonen oder Teams –, die Themen der pädiatrischen Pneumologie sowohl im klinischen Bereich wie auch im Grundlagenbereich bearbeiten möchten.
Bildunterschrift:
(v.l.): PD Dr. Nicolaus Schwerk (Präsident GPP), Prof. Dr. Angela Zacharasiewicz (Laudatorin und Vorstandsmitglied GPP), der Preisträger PD Dr. Mats Fortmann sowie Prof. Dr. Monika Gappa (Vorstandsmitglied DLS)